Internationale Zahlungen können noch immer mehrere Bankarbeitstage dauern. Auch die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen erfolgt häufig mit Verzögerung. Gleichzeitig werden Geld und Werte heute in nahezu allen anderen Bereichen der Gesellschaft digital übertragen. Vor diesem Hintergrund untersuchen Banken und Finanzinstitutionen weltweit, wie neue Technologien die Finanzmärkte schneller und effizienter machen können. Zwei Begriffe, die im Zentrum dieser Entwicklung stehen, sind Tokenisierung und Stablecoins.
Was ist Tokenisierung?
Tokenisierung bedeutet, dass ein Vermögenswert digital auf einer Blockchain abgebildet wird. Dabei kann es sich um Geld, Anleihen, Aktien oder andere Finanzinstrumente handeln. Ein Token fungiert als digitaler Eigentumsnachweis, der klar dokumentiert, wem welcher Vermögenswert gehört.
Anstatt Eigentumsrechte und Transaktionen über mehrere Ebenen von Banken, Verwahrstellen und Clearinghäusern zu registrieren und abzuwickeln, können Übertragungen direkt und nachvollziehbar erfolgen. Dies kann zu schnelleren Abwicklungen, geringeren administrativen Kosten und höherer Transparenz führen.
Aus diesem Grund arbeiten heute viele der weltweit größten Banken und Finanzinstitutionen aktiv an Lösungen im Bereich der Tokenisierung. Globale Akteure aus den Bereichen Investment Banking, Börsenhandel und Zahlungsinfrastruktur, darunter Unternehmen wie BlackRock, Robinhood und PayPal, testen bereits tokenisierte Anleihen, Aktien, Fonds sowie interne Zahlungsströme. Tokenisierung wird zunehmend nicht als Alternative zu den bestehenden Finanzmärkten gesehen, sondern als nächster Schritt in ihrer Modernisierung.
Was sind Stablecoins und warum werden sie verwendet?
Stablecoins sind Krypto-Assets, die so konzipiert sind, dass sie einen stabilen Wert behalten, meist gekoppelt an eine traditionelle Währung wie den US-Dollar oder den Euro. Ein in USD denominierter Stablecoin entspricht beispielsweise einem US-Dollar.
Diese Stabilität wird erreicht, indem Stablecoins durch reale Vermögenswerte gedeckt sind. Die größten Stablecoins am Markt halten Reserven in Form von Bargeld und hochliquiden Finanzinstrumenten, vor allem kurzfristigen US-Staatsanleihen. Theoretisch sollte jeder Token durch Vermögenswerte mit entsprechendem Wert gedeckt sein.
Stablecoins lassen sich als digitales Geld verstehen, das weltweit rund um die Uhr übertragen werden kann, ohne Bankarbeitstage und ohne Intermediäre. Während traditionelle Banküberweisungen Zeit benötigen und mehrere Zwischenstellen umfassen können, lassen sich Stablecoins nahezu sofort übertragen. Deshalb werden sie zunehmend für Zahlungen, Liquiditätsmanagement und die Abwicklung von Transaktionen mit Finanzinstrumenten genutzt, die auf neuen Technologien basieren.
Marktgröße und institutionelle Prognosen
Der Stablecoin-Markt ist schnell gewachsen und hat heute ein Gesamtmarktvolumen von rund 300 Milliarden US-Dollar. Mehrere etablierte Finanzinstitutionen gehen davon aus, dass dies erst der Anfang ist. Die globale Großbank Standard Chartered schätzt, dass der Stablecoin-Markt bis 2028 auf etwa 2 Billionen US-Dollar anwachsen könnte, angetrieben durch eine stärkere Nutzung im Zahlungsverkehr und klarere regulatorische Rahmenbedingungen, unter anderem durch Initiativen wie den GENIUS Act in den USA. Citigroup erwartet in ihrem Basisszenario einen Marktwert von etwa 1,9 Billionen US-Dollar bis 2030, mit weiterem Wachstumspotenzial bei zunehmender institutioneller Nutzung.
Insgesamt zielen Tokenisierung und Stablecoins darauf ab, Finanzmärkte effizienter, zugänglicher und stärker demokratisiert zu machen. Die Entwicklung erfolgt schrittweise, hat jedoch das Potenzial, langfristig die Struktur und Funktionsweise globaler Finanzsysteme zu verändern.
Engagement über börsengehandelte Produkte
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